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-Rezension- ARKADIEN erwacht von Kai Meyer

Samstag, 1. September 2012

Autor: Kai Meyer
Titel: ARKADIEN erwacht
Serienreihe: Teil 1/3
Verlag: Carlsen
416 Seiten, 19,90 €
ISBN-10: 3551582017
Genre: Jugendbuch / Romanze / Fantasy

Inhaltsangabe:
Neustart, das Programm des Lebens fährt hoch und alles ist wieder in Ordnung. Etwas in der Art erhofft sich Rosa Alcantara von einer Reise nach Sizilien, wo ihre ältere Schwester sie erwartet. Allerdings heißt das, in den Schoß des Clans zurückzukehren, weil Rosas Familie zur sizilianischen Mafia, der Cosa Nostra, gehört. Dieses Schicksal teilt die Siebzehnjährige mit Alessandro Carnevare, auf dessen Schultern eine ungleich schwerere Last ruht: Bald soll er als neues Oberhaupt das Erbe seines Vaters antreten. Dass die Alcantaras und Carnevares seit Generationen verfeindet sind, hindert die Liebe aber nicht daran, sich unaufhaltsam ihren Weg in Alessandros und Rosas Herz zu bahnen. (www.amazon.de)

Meinung:
Wie oft habe ich das doch recht hübsche Cover schon in Buchregalen von Freundinnen gesehen und mir sagen lassen, wie gut sie das Buch fänden? Es kommt mir wie unzählige Male vor und doch habe ich erst vor kurzem selbst zur Hardcover-Ausgabe des Romanes von Kai Meyer gegriffen und mich gemütlich auf dem Bett zusammengerollt, um meine Nase zwischen die Seiten zu stecken.
Zwischen dem hübschen Umschlag verbirgt sich eine Geschichte über sizilianische Mafiafamilien und das Geheimnis der Alcantaras und Carnevares, das noch viel mehr spektuläre Action ins Geschehen bringt.
Von der ersten Seite an stand ich dem Inhalt zwiespältig gegenüber - aus dem Klappentext konnte ich nicht viel ziehen und habe mich somit überraschen lassen - auch wenn das bei mir nichts Ungewöhnliches ist: für mich ist ein Buch immer erstmal fremd, suspekt und ... zugegebenermaßen schlecht, bis mich der Autor mit seiner Geschichte oder seinem Stil vom Gegenteil überzeugt.
Bei Kai Meyers Trilogieauftakt musste ich jedoch vergeblich warten. Das einzig positiv erwähnenswerte sind die pompösen Beschreibungen, die er gerne mal einwirft, um damit die Handlung zu dehnen, der Rest ... lief mir eher mit Krallen über den Rücken. Für mich war dieses Buch kaum zu genießen, denn schon allein Rosa, die Protagonistin, hat mich nicht überzeugt und auf Dauer eher genervt. Erst läuft sie ziemlich verschlossen und auf pseudo-cool getrimmt mit Essstörung durch die Gegend, dann werden lauter Andeutungen gemacht, ohne dass der Autor mit der Information ihrer Vergangenheit ordentlich rausrücken will, und schließlich reagiert sie so fremd, dass ich unzählige Male wütend das Buch zugehauen und weggepfeffert habe (bis mir einfiel, dass es ein Bibliotheksbuch ist und ich wohl damit besser etwas sorgsamer umgehen sollte.) Eine im Kopf gebliebene Situation war definitiv die, als die Gefährtin von Rosas Schwester mit in einen Konflikt mit den Carnevares gerät und Rosa sich kaum um sie schert. Nichts tut. Nichts sagt. Und anscheinend auch nichts denkt, denn selbst der Autor hat mir diese Szene nicht näher bringen können. Das war emotionales Flachland.
Auch mit Alessandro bedient der Autor ein Klischee, das mir ziemlich den Magen umgedreht hat. Groß, gutaussehend, braungebrannt, natürlich wahnsinnig intelligent (und mit wesentlich mehr Durchblick gespickt als Rosa) et cetera. Die Schwester war ein sympathischer Charakter - von der Großmutter hingegen hat man, wie von so vielen anderen Charakteren, nicht viel mitbekommen. Wahrscheinlich, weil sich in Rosas Welt alles nur um sie dreht.
Einzig und allein für die Geschichte an sich - also für die Idee, den Funken der dort tatsächlich noch gerade so überspringt - kann ich dem Buch überhaupt etwas abgewinnen. Viel Mystisches wird in das Sizilien unserer Zeit gebaut. Der Tiger, der Panther, die Schlange ... Meiner Meinung nach ein großes Potenzial, das mich nur der Umsetzung und der Charaktere wegen nicht überzeugen konnte. Das Ende ist ebenso erst negativ, dann wieder mit einem seichten Hoffnungsschimmer, leider von Kitsch geprägt. Die Romeo und Julia Klischeegeschichte scheint sich auf den nächsten Teil wohl auch zu erstrecken. Den habe ich außerdem auch mittlerweile hier liegen - ich lasse Trilogien oder Buchreihen an sich generell ungern unvollendet beim Lesen - weiß aber noch nicht, wann ich mich dazu durchringen kann, diesen zähen Batzen 2.0 durchzukauen.

Fazit_______________________________________________________________________________________________
Ich kann verstehen, dass das Buch bei einigen Anklang gefunden hat. Vielleicht bin ich auch sehr streng, was die Ausführung der Charaktere und den Schreibstil betrifft. Ich hätte einfach gern mehr Leben im Buch gesehen, mehr Stil, mehr Poesie. Kai Meyer ist ein guter Erzähler, doch das reicht in meinen Augen einfach nicht für ein Buch, jedenfalls für keines, das Leser wie mich ansprechen können sollte. Für die Idee bekommt das Buch von mir drei von fünf Mandalas.




Kommentare:

  1. Hey Juls,
    ich muss sagen, dass du mit dieser Rezension meine Meinung zu dem Buch (bzw. der Trilogie) sehr gut wiedergibst. Ich habe mich auch durch alle drei Bände gequält. Es ist zwar gut zu lesen, aber inhaltlich ... ahhh.
    Ich habe bei diesem Buch immer das Gefühl, dass Kai Meyer einfach auf den Zug der Fantasy-Teenie-Schnulzen wie Twilight aufspringen wollte. Es ist ihm ja auch gelungen - das Buch hat viele Fans und verkauft sich hervorragend. Eine kleine Mary Sue, ein Gary Stue, ein bisschen Fantasy und fertig ist das gut verkaufte Buch. Der Name des Autors trägt noch zum Erfolg bei. Nenene, meins war es definitiv auch nicht, du bist also nicht alleine. (;

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    1. Hey Marit,
      danke für deinen Kommentar! Ich fürchte eben auch, dass die Folgeteile nicht besser werden, ich habe regelrecht Bammel, das Buch jetzt zur Hand zu nehmen, aus Angst, dass ich dann monatelang da dran fest hänge und nicht weiter komme (es gibt nichts, was ich mehr hasse!)
      Ich finde die Grundidee wirklich gut, mit Arkadien, der Fabel und allem, aber es stimmt, es strotzt vor Klischees und es war einfach nicht schön, nicht flüssig, nicht besonders genug, um als wirklich "gut" zu gelten.
      Ich hab' vorher, soweit ich weiß, noch nichts von Kai Meyer gelesen, kannte bloß diese Trilogie vom Namen her und seine Website, glaube ich, das war's auch schon.
      Und ja, ha ha, immer das besonders triviale hat eine Fangemeinde. Das ist schon irgendwie echt traurig. Na ja. Vielleicht lese ich beizeiten nochmal in ein anderes Buch des Autors rein, um mir ein Bild davon zu machen, was er denn sonst noch so geschrieben hat und ob diese Trilogie vielleicht eine, wie du sagst, Ausnahme ist, weil er auf den Zug mit aufspringen wollte ... wer weiß.

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